Es ist der erste Sommer in diesem Jahr. Es ist Zeit für ein paar Entlassungen. So können die, die ansonsten im Medien-Sommerloch verschwinden wenigstens ihre freie Zeit genießen, und welcher Ort wäre da schöner als die Alster?
Das die „Bild“ ihren Umzug von H nach B bereits geplant, dürfte an fast niemanden vorbei gegangen sein. Macht man sich als aufrechter Deutscher doch schon Sorgen um sein liebstes Lieblingsblatt. Aber da es ja wie gewohnt beim Bäcker des Vertrauens jeden Morgen zu finden ist, was soll es da, dass von 700 Mitarbeitern nur 60 das Rennen um die Spitzen-Lokalredaktionsplätze geschafft haben.
Natürlich könnte man als getreuer Bildredakteur seinem Medium hinter herziehen. Das haben ja schließlich die meisten Politiker auch in Kauf nehmen müssen, als feststand, dass die wirkliche Bundeshauptstadt Berlin ist. Und nicht nur das, laut Kai Diekmann – Chefredakteur der Bild, der sich in der FAZ zu den Umzugsplänen äußerte, ist Berlin sogar der Mittelpunkt Europas.
Da erwarten Leser und Redakteure soviel neue und viel spannendere Themen aus Berlin – mehr Promis, mehr Politik und mehr von diesen schönen durchrecherchierten Hintergrundstories. Und man bedenke die reduzierten Spesenrechnungen.
Wie dem auch sei, Mittelpunkt Europas bedeutet auch, viel näher am politischen und kulturellen „Lifestyle Zentrums Deutschlands“ zu sein. Dass die Stadt das erst in den letzten Tagen geworden ist, ist selbstverständlich. Was hatte sie davor schon zu bieten. Darauf hätten doch wohl auch die Redakteure selbst kommen können und sich vorausschauend auf den Umzug vorbereiten können.
Überhaupt; ein Chefredakteur hat immer recht. Geht nicht er täglich raus, um die spannendsten Themen an die Redakteure weiter zu tragen? Ohne ihn liefe gar nichts, aber er bildet sich ja Gott sei Dank weiterhin die deutsche Meinung – jetzt eben nur von Berlin aus.
(ChB)