14. Juni 2007

Wahlfreiheit

Abgelegt unter: M.Wissenschaft — ChB @ 23:01

Ich sitze vor dem Fernseher und schaue mir nebenbei die Nachrichten in den Öffentlich-Rechtlichen an. Ah, da kommt ja auch etwas über die Wahlen in Bremen.
Begeistert wie immer leitet jeder der Gewinner und natürlich jeder der Verlierer wieder zahlreiche Interpretationen aus den Ergebnissen für sich ab. Dumm nur, dass ich im Netz wenig später zwei, drei Seiten finde, auf denen es heißt, dass nur annährend 60 Prozent Wahlbeteiligung waren. Ja sicher, denke ich mir, in anderen Bundesländern waren wir im vergangenen Jahr auch schon bei 43,2 Prozent. Eine Regierung, die von der (absoluten) Hälfte der Bürger gewählt wurde, steht sehr gut da. Aber ist es denn mittlerweile wirklich nicht mehr notwendig, diese Zahlen mit anzugeben? Aber die viel wichtigere Frage, die ich mir an diesem Abend stelle: dürfen die etablierten Medien diese Informationen einfach vergessen und so einen der wichtigsten Bestandteile der medial präsentierten Wahlen ausblenden?

„Achtung vor der Wahrheit, die Wahrung der Menschenwürde und wahrhaftige Unterrichtung der Öffentlichkeit sind oberste Gebote der Presse“, so heißt es zumindest im Paragraph 1 des Pressekodex, der ja, wie man als Medienstudent weiß, in abgewandelter Form ebenso im Rundfunkgesetzen eingebaut ist. Natürlich weiß man dann auch, dass ein Gatekeeper nun mal nicht alle Informationen aufnehmen und durchlassen kann. Aber als vierte Macht im Staat, die zur politischen Willensbildung beitragen und darüber aufklären soll, ist es doch ganz schön arm, wenn man Wichtiges erst nach aktiver Suche findet. Sicherlich bin ich nicht faul. Aber wenn man abends nach Hause kommt und gerne das Wichtigste vom Tag erfahren will ohne große Anstrengung, dann will man eben auch alles wissen, was einem in seinem zukünftigen Denken und Handeln beeinflussen könnte, gerade bezüglich der Politik. Andernfalls sagt mir beim nächsten Mal lieber irgendjemand gleich bescheid, dass ich Fernsehen, Radio und etablierte Presse weglassen kann und mich auf nächtliche Streifzüge durch das Internet begebe.

(ChB)

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