19. Juni 2007

Social Networks - Willkommen im „Ozean an Unterhaltung“

Abgelegt unter: M.Wissenschaft — ChS @ 15:19

Freunde im Internet zu finden und Freundschaften in Communitys zu pflegen, wird immer beliebter. StudiVZ und MySpace.com sind in aller Munde. Doch der eigenen Einsamkeit mit einem Mausklick zu entgehen, birgt auch Gefahren in sich!

Der französische Dramatiker Nicola Camfort hat mal behauptet:
“In der Welt […] haben sie drei Sorten von Freunden. Freunde, die sie lieben, Freunde, die sich nicht um sie kümmern, und Freunde, die sie hassen.” In unserer heutigen Zeit kommt noch eine vierte Gruppe hinzu. Die der „Netzwerkfreundschaften“.

Jeder Student der Medienwissenschaften erfährt schon im Grundstudium, dass wir Medien unter anderem aus Geselligkeit, Entspannung, oder Eskapismus rezipieren. Gerade der Punkt der Geselligkeit tritt in der heutigen verlinkten Welt immer mehr in den Vordergrund. Hierbei greift ein Urtrieb der Evolution. Der Mensch ist halt kein Einzelgänger. Erst in der Gruppe war er fähig zu überleben und sich weiter zu entwickeln. Auch heute zieht es uns in die Gemeinschaft. Kein Problem; „Social Networks“ sei dank.
Unter „Social Networks“ versteht man heute Plattformen bzw. Webseiten innerhalb des Web 2.0-Kosmos, die ein „Freundenetzwerk“ als virtuelles Interaktionsgeflecht darstellen. Benutzer solcher Webseiten können in der Regel ein persönliches Profil von sich entwerfen, um sich selbst vor- bzw. darzustellen und so andere User von sich zu überzeugen. Man lernt hier Bekannte oder Freunde kennen, und kann diese in sein Profil einbinden.

Ermöglicht werden solche Netzwerke durch die Einführung des so genannten Web 2.0.
Dieses sollte dabei eher als ein unscharf umrissener Oberbegriff für die Beschreibung einer Reihe interaktiver Techniken und Dienste des Internets – speziell des WWW – und einer geänderten Wahrnehmung des Internets angesehen werden. Inhalte werden nicht mehr nur zentralisiert von großen „Medien“ erstellt und an die Massen verbreitet, sondern auch von unabhängigen Leuten, die sich untereinander vernetzen. Typische Beispiele hierfür sind Communitys (Xing, Facebook.com), Weblogs und Tauschbörsen.

Eine der bekanntesten Communities ist das StudiVZ.net, das im Oktober 2005 von Ehssan Dariani gegründet wurde. Nach eigenen Angaben haben sich die Betreiber zum Ziel gesteckt, „die Netzwerkkultur an europäischen Hochschulen zu etablieren und damit universitäre Grenzen zu überwinden. Des Weiteren gilt es, die Anonymität an den Hochschulen zu senken und eine intuitiv bedienbare Plattform zu bieten, auf der sich Studierende sowie studentische Initiativen zu überwiegend lokalen Campusthemen organisieren und austauschen können.“ Mit über 1,9 Millionen aktiven Nutzern ist es außerdem eines der meist genutzten „Social Networks“ im Web.


Bildquelle: . ZEIT – Grafik / comScore Media Metrix 2007

Social-Networking hat sich als Teil des Web 2.0 Hypes, auf der User- und der
wirtschaftlichen Seite, als sehr erfolgreich herausgestellt, was zum einen an hohen
Aufkaufssummen (studiVZ von Holtzbrinck, MySpace von NewsCorp) und zum anderen an
hohen Userzahlen - wie bei Studivz - erkennbar ist.
Letztendlich ist es das Ziel eines jeden „Social Network“, dass durch sein Handeln
wirtschaftliches Interesse geweckt wird, denn nur so haben sie die Möglichkeit zu expandieren. Auf finanzieller Ebene treten hier zunächst Werbetreibende, später Investoren oder große Unternehmen in Erscheinung, die dann diese Plattform aufkaufen, um sich selbst einen weiteren wirtschaftlichen Zweig anzueignen. Auf inhaltlicher Ebene Unternehmen, die
ihre Inhalte für die Plattform zu Verfügung stellen.

Doch wie sieht es mit der sozialen Zukunft aus? Führen solche „Social Networks“ nicht zu einem Verlust der guten alten zwischenmenschlichen Kontakte, so wie es vor allem die Pädagogen und Sozialwissentschaftler befürchten?
Die Experten warnen, dass der Bezug zum Realen verloren geht, wenn man nur noch gewohnt ist, per Nachrichtenbox und Pinnwandnotizen zu kommunizieren.
Vor allem dem User wird es sicherlich auf Dauer nicht reichen nur ein Profil anzulegen und dieses mit Fotos und privaten Informationen zu versehen. Auch das unglaubliche Angebot an Communities wird eine schnelle Sättigung des Marktes vorantreiben, sodass die Zukunft eher aktuellen Innovatoren wie z. B. „Second Life“ den Siegeszug in die deutschen Wohnzimmer ebnen wird.

„Es gibt viel zu entdecken. Der Inhalt von „Social Networks“ kommt von den Nutzern selbst und sie bieten einen unendlichen Ozean an Unterhaltung und Information. Künftig werden die Menschen Logins für mehrere „Social Networks“ gleichzeitig haben. Diese unterscheiden sich nach Zweck, Funktion und der Zielgruppe. Es werden sich Seiten für geschäftliche Zwecke, für Musik, Teenager, Schüler, Studenten usw. etablieren. Und viele kleinere für spezielle Interessen“, gibt sich Dariani zuversichtlich.

(ChS)

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