25. Juni 2007

Interview: Spiel mit der Persönlichkeit

Abgelegt unter: M.Wissenschaft — ChB @ 11:54

Prof. Klaus Peter Jantke ist seit dem ersten November 2005 am Institut für Medien- und Kommunikationswissenschaft tätig. Im Fachgebiet „Multimediale Anwendungen“ gehört unter anderem das Thema „Personalisierbarkeit“ von Computerspielen zu seinen Arbeitsbereichen.
Jantke studierte Theoretische Informatik und Kybernetik. 1979 schrieb er in Berlin seine Dissertation und 1984 habilitierte er. Seit 1987 pendelt er zwischen Leipzig, Saarbrücken, Darmstadt, Ilmenau und Sapporo (Japan).

Herr Professor Jantke seit wann beschäftigen Sie sich mit dem Thema Computerspiele?

Wissenschaftlich setze ich mich seit Weihnachten 2005 mit dem Thema auseinander. Aber ich habe bereits vor 20 Jahren ein Spiel entwickelt. Ein Spiel, das jetzt bei mir beispielsweise in der Lehre eingesetzt wird und im Zusammenhang mit Lehrveranstaltungen auch von Studierenden programmiert wird. Daran erforschen wir unter anderem Künstliche Intelligenz und wie diese beim Menschen ankommt. Ich habe mich also durchaus mit Spielen beschäftigt und darüber gründlich nachgedacht. Ich habe das aber nie als Arbeitsaufgabe gesehen.

Was haben Sie ursprünglich gemacht?

Ich bin eigentlich Informatiker, mit dem Schwerpunkt Künstliche Intelligenz. Manche Leute sagen nur KI dazu. In diesem Bereich habe ich mich seit ungefähr 25 Jahren mit der Frage beschäftigt, wie man Computern das Lernen beibringen kann. Das ist auch für Spiele eine wichtige Komponente.

Was macht ihrer Meinung nach ein Computerspiel aus?

Für mich ist ein Computerspiel in erster Linie gleichzeitig ein Unterhaltungsmedium und ein Computerprogramm. Ich finde es sehr wichtig, dass man das immer gleichzeitig sieht und keinen Moment eine der beiden Komponenten vergisst. Man kann nicht nur aus Sicht der Sozialwissenschaft über Computerspiele arbeiten und genauso wenig nur ausschließlich aus Sicht der Informatik. Vor allem durch diesen Aspekt nimmt das Thema „Games Science“ eine wichtige Rolle innerhalb der Forschung insgesamt ein.

In ihrer Forschung beschäftigen Sie sich unter anderem auch mit der Personalisierung von Computerspielen?

Ja, denn wir wollen Spiele erleben. Da sie Unterhaltungsmedien sind, werden sie von verschiedenen Rezipienten verschieden wahrgenommen. Es lieben ja auch nicht alle Menschen, die ins Kino gehen, Italowestern. Andere sind aber ganz verrückt danach. Und so ist das auch bei allen anderen Genres. Es sollte alles immer im Kontext des Erlebens und der Erfahrung eines Menschen gesehen werden. So ist das auch bei Spielen. Und damit Computerspiele noch besser und schöner erlebt werden können, müssen sie sich nach Möglichkeit an ihre Rezipienten anpassen. Dabei liegt die Stärke von Spielen darin, dass sie nicht nur Unterhaltungsmedium, sondern auf der anderen Seite auch Computerprogramme sind. Diese können sich anpassen. Filme oder Bücher können das typischerweise nicht.

Welche Verfahren gibt es denn konkret, um diese „Personalisierbarkeit“ zu erreichen?

Der Kerngedanke bei der Personalisierbarkeit ist der, dass sich ein System an Personen anpasst. Dafür muss das Computerprogramm aber etwas über die Menschen wissen. Es soll sich ja für den einen anderes verhalten als für den anderen. Das heißt, man muss den Benutzer modellieren. In der Fachsprache nennt man das „User Modeling“. Man erhebt Wissen über den Nutzer und dieses Wissen wird dann computerintern abgebildet. Seit einiger Zeit gibt es ein paar erste noch sehr schwache Überlegungen zum „Player Modeling“, also den Versuch verschiedene Spieler zu modellieren. Wenn sich dieses Verfahren durchsetzt und man einen Weg findet, Spieler tatsächlich zu modellieren, dann wird es auch möglich sein, dass sich ein Computerprogramm aufbauend auf den Erkenntnissen unterschiedlich gegenüber unterschiedlichen Spielern verhält.

Denken Sie, dass das Institut für Medien- und Kommunikationswissenschaft einen Beitrag zur Erforschung der gerade angesprochenen Sachverhalte leisten kann?

Das Institut für Medien- und Kommunikationswissenschaft ist, so wie ich es sehe, in einer für Deutschland geradezu unvergleichbar guten Situation, weil es im Kontext der Technischen Universität Ilmenau wirklich den Brückenschlag vollziehen kann zwischen Ingenieurwissenschaft und Sozialwissenschaft. Und man braucht beim Spielen beides. Es geht auf gar keine Weise anders. Außerdem hat das Institut schon Sachen hervorgebracht, die innovativ sind. Es gibt eine Taxonomie (Anm.d. Red.: Kategorisierung) für digitale Spiele. Diese haben wir hier im Dezember letzten Jahres publiziert. Sie wird schon an einigen Stellen in Deutschland in der Lehre eingesetzt, wenn man Spiele systematisiert. Wir leisten auch einen Beitrag dazu, dass Ausdrucksmittel entstehen, damit man sich wissenschaftlich noch besser mit Spielen auseinandersetzen kann. Ich bin daher davon überzeugt, dass dieses Institut sehr gute Voraussetzungen hat. Damit will ich nicht sagen, dass wir besser arbeiten als andere. Aber ich denke, dass hier sehr viel Produktives passieren wird.

(ChB)

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