2. Juli 2007

Die Jauch AG: Von der Macht des Moderators

Abgelegt unter: M.Wissenschaft — XeZ @ 09:37

Medienvertreter, an vorderster Front Fernsehmoderatoren, haben als Repräsentanten der „vierten Gewalt“ wahrheitsgetreu zu sein. Denn die Medien haben nun einmal drei wesentliche Aufgaben zu erfüllen: Sie kontrollieren den Staat und beobachten das Zeitgeschehen. Sie sollen kommentieren, die Bürger informieren und es diesen überlassen, sich eine selbstständige Meinung zu dem jeweiligen Ereignis zu bilden. Soweit der Idealfall.

Die Wirklichkeit zeigt jedoch, dass sogar bei zwei miteinander kommunizierenden Gliedern einer Informationsflusskette die Gefahr der Verfälschung und des Verlustes von Informationen enorm hoch ist. Die Menschen sind nicht komplett aufeinander geeicht und assoziieren nicht immer das Gleiche beim Aufnehmen derselben Begriffe.

Beim Entstehungsprozess der Massenmedien gibt es aber mindestens drei Kettenglieder! Die Nachrichtenagenturen melden Informationen über die ursprünglichen Ereignisse an die Medien weiter. Diese transportieren letztendlich das Wissen an das Endglied, den Medienkonsumenten. Jedes dieser Glieder bezeichnet eine Gruppe von Menschen. Trotz der Zugehörigkeit zur gleichen Gruppe, gibt es aber schon innerhalb dieser oftmals erhebliche Meinungsverschiedenheiten bezüglich der jeweiligen Ereignisse. Da wundert es also nicht, dass bei den Medienkonsumenten ein bearbeiteter und nachkorrigierter Wirklichkeitsausschnitt ankommt.

Bedenkt man, dass für einen Moderator (egal, ob man von politischen Talk oder der einer Nachrichtenmoderation ausgeht) noch die Möglichkeit besteht, lenkend in die Kommunikation einzugreifen, wird einem die ganze Fülle seiner Macht erst bewusst. Er kann absichtlich den bereits von Differenzen und Unklarheiten geplagten Kommunikationsprozess in eine Richtung lenken, die ihm richtig erscheint. Er nutzt seine Gatekeeperfunktion aus (neudeutsch für „Schleusenwärter“ der Informationen).

In vielen Fällen bekommt der Moderator den „roten Faden“, von Seiten der in der Hierarchie über ihm Stehenden, vorgeschrieben. In den Einzelheiten hat er dagegen oft freie Hand. Nicht formal vorschreiben kann man jedoch die Mimik und Gestik, die den Wortlaut des Gesagten kommentiert. Diese Komponenten setzen sich dann im Unterbewusstsein ab und vollenden ihre Mission, indem sie den Inhalt des Gesagten immer tiefer in uns meißeln.

Hinzu kommen, können hohen Einschaltquoten, wodurch die Botschaft des Fernsehmoderators ein Millionenpublikum erreicht. So gesehen sind Jauch und Co. beinahe allmächtig, sodass die gläubige Fernsehgemeinde ihren Tag mit folgenden Worten beenden kann: Herr, wir danken dir für die Meinungsbildung. Die Stimme der Massenmedien erschalle immer und ewig. Darum bitten wir dich im Namen des Moderators, des Fernsehprogramms und der heiligen Journalisten. In Ewigkeit Amen.

Diese Allmächtigkeit des Moderators bleibt vor den Medien natürlich nicht verborgen. So betitelt das Manager-Magazin vier herausragende Vertreter der deutschen Medienmonarchie als TV-Royals – Vorhang auf für den Kaiser Franz Beckenbauer sowie die Heiligen Drei Könige Günther Jauch, Harald Schmidt und Thomas Gottschalk.

Doch für die unter uns, die nach Macht dursten: Einfach ist der Weg des Moderators nicht. Über die Eignung für diesen Beruf entscheiden fast ausschließlich Beziehungen, persönliche Veranlagung, Charisma und Schlagfertigkeit und nicht unbedingt ein Universitätsabschluss. Hervorragendes Beispiel ist und bleibt der 1956 in Münster geborenen zweifachen Studienabbrecher Günther Jauch. Er übernahm 1990 die Leitung des bundesweit erfolgreichsten politischen Magazins: Stern TV. Der Sympathieträger Jauch ist trotz Kritik einer der beliebtesten Figuren der deutschen Medienszene überhaupt.

Da macht es auch nichts, wenn der Millionärmacher mal kritisiert wird, beispielsweise vom MDR-Intendant Udo Reiter. Dieser konnte sich mit Jauchs Bereitschaft, Werbung für „Glücksspiele, Lebensversicherungen oder weiß der Teufel was” zu machen, nicht anfreunden.

Aber am Beispiel Jauchs wird deutlich: Wer bei den Medienkonsumenten beliebt ist, kann nicht ganz zu Ungunsten bestimmter Unternehmen, den Kaufwillen der Verbraucher steigern und darüber hinaus auch weitere Botschaften in das Unterbewusstsein einflechten. Es lebe die Jauch AG!

(XeZ)

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