7. August 2007

Bretter - die der Welt nicht viel bedeuten

Abgelegt unter: M.Wissenschaft — M.Press @ 13:52

Das Theater von heute befindet sich in einer Krise, welche besonders durch Legitimations-, Finanz- und Akzeptanzprobleme gekennzeichnet ist. Das bedeutet, dass das Theater durch die zunehmende Komplexität der Gesellschaft, die Demontage des elitären Kulturverständnisses, rückläufige Zuschauerzahlen und die wachsende Konkurrenz auf dem Freizeitsektor in einen Verdrängungswettbewerb und folglich in Rechtfertigungszwänge gerät. Dadurch werden Diskussionen um die Existenzberechtigung und Effizienz des Theaters und sein Anspruch auf Finanzierung durch die Allgemeinheit forciert. Die besonderen Vorzüge und die lange traditionsreiche Geschichte des Theaters reichen heutzutage nicht mehr aus, um vor Kulturkürzungen verschont zu bleiben oder um eine Zwangsfusion oder Schließung zu umgehen.

Als größter kultureller Zuschussbetrieb steht das Theater im Zentrum der Diskussion um die staatliche Kulturförderung. Doch die öffentlichen Kassen der Kommunen und Länder, aus denen das Theater finanziert wird, sind leer, was wiederum zu einem verschärften Verteilungskampf um die wenigen öffentlichen Mittel führt. Hiermit wird ebenso die Frage der Legitimation des Theaters neu aufgeworfen. Legitimation scheint nur in Verbindung mit ökonomischem Nutzen existent zu sein. Das heißt, das Theater ist heutzutage nur noch gewollt und der finanzielle Aufwand akzeptabel, wenn ihm eine große Bedeutung im kulturellen Leben einer Stadt oder Region zugesprochen wird und es genug monetäre Mittel abwirft. Doch die Politik muss begreifen, dass das Theater nicht nur einen materiellen, sondern ebenso kulturellen, gesellschaftlichen und sozialen Gewinn mit einem ideellen und nicht quantifizierbaren Kern produziert. Es kann nicht sein, dass an einer für die Gesellschaft so ideell wertvollen Stelle eingespart wird, aber die Renten der Politiker zum Beispiel stetig steigen, wovon wir als Bürger letztlich nichts haben. Vom Theater haben wir so viel. Es ist unter anderem auch ein Baustein, wie wir der Verrohung unserer Jugend ein wenig Einhalt gebieten können. Denn hier gibt es noch eine intellektuelle Plattform, auf der man sich weiterbilden, reflektieren, entspannen, belustigen, begeistern, Antworten auf Fragen finden und zum Nachdenken anregen lassen kann.

Eine weitere Herausforderung für das Theater der Gegenwart, ist der stetig expandierende Kultur- und Freizeitmarkt. Das Theater als sehr altes und geschichtsträchtiges Medium ist nur noch eines unter sehr vielen Freizeitangeboten und muss in Konkurrenz mit den neuen Medien seine kulturellen Leistungen der Umwelt vermitteln und sich durch eine positive Präsenz Aufmerksamkeit verschaffen. Es bedarf neuer Wege, um sich in einer Welt modernster Techniken und Neuentwicklungen herauszuheben und seine Legitimation zu rechtfertigen. Einige Theater wagen den Schritt in Richtung „skandalöse Aufführungen“, um auf sich aufmerksam zu machen. Ein Weg, der sehr fraglich erscheint und nicht gerade publikumsfreundlich ist, da das Theater mit schockierenden Aufführungen möglicherweise am Publikum vorbeiinszeniert. Und rückläufige Publikumszahlen sind für die Gesamtsituation nicht förderlich.

Vielmehr sollte der Ansatzpunkt, Präsenz zu erzeugen und Legitimation zu beweisen, ein anderer sein. Einiges kann sicher schon mittels eines klugen Theatermarketingkonzeptes getan werden, welches dem Theater mit den richtigen Marketingmaßnahmen eine stabilere wirtschaftliche Position ermöglicht. Politiker schieben diese Arbeit gern auf die Theaterseite, obwohl sie es sind, die tatkräftig Kürzungen vorantreiben und die Erarbeitung eines solchen Konzeptes erst notwendig werden lassen. Hier muss eine Brücke geschlagen werden: die Vereinigung der Konzeptideen der Politik mit denen des Theaters. Doch viel wichtiger als neue Marketingideen ist es, das Bewusstsein aller, aber besonders der Leute, die die Macht haben, etwas in unserem Lande zu bewegen, dafür zu schärfen, dass der Rückgang der Theaterkultur ein ernst zu nehmendes Problem ist. Es gilt endlich zu begreifen, dass der Gesellschaft Schließung für Schließung ein wertvolles Forum der kulturellen Öffentlichkeit genommen wird.

(CoE)

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