8. August 2007

Offener Brief: An die betreffende Redaktion und deutsche Medien – Kritik an Marietta Slomka vom heute-journal

Abgelegt unter: M.Blog — bluejax @ 00:31

+++ OFFENER BRIEF +++
Hinweis: Diese E-Mail wurde als Offener Brief an verschiedene VertreterInnen aus Medien & Presse gesendet!

Sehr geehrte Damen und Herren,
Liebes heute-journal-Team,

mein Name ist Jan Rechlitz und ich studiere im 06. Fachsemester „Angewandte Medienwissenschaft“ an der TU Ilmenau. Ich beschäftige mich seit einigen Jahren intensiv mit der Materie Medien. Insbesondere der Bereich Journalismus und die Wechselwirkung zwischen Politik und Medien interessieren mich stark. Bereits früh in meinem Studium hat man uns gelehrt, bei Nachrichten – sei es in Print, TV oder Hörfunk – auf Darstellungen und Formulierungen zu achten und unsere Aufmerksamkeit für konjunktive, emotionale und wertende Formulierungen zu sensibilisieren.

Im Folgenden möchte ich mich auf zwei Anmoderationen von Marietta Slomka beziehen. Die eine datiert vom 16. Juni 2007 und die zweite vom 03. August 2007!

Nun ist einigen Bekannten und mir zum wiederholten Male aufgefallen, dass die Moderatorin des heute-journals, Frau Marietta Slomka, einen Beitrag über die Auslaufende Lizenz des venezolanischen TV-Senders RCTV und die Nichtverlängerung derselben durch den Präsidenten von Venezuela, Hugo Chávez, dazu genutzt hat, um– sagen wir es untertrieben – fragwürdige Botschaften an die Rezipienten zu senden.

Zum einen wurde der Eindruck erweckt, der venezolanische Präsident habe RCTV geschlossen bzw. die Lizenz entzogen. Dies ist definitiv falsch! Die Lizenz ist nach 20 Jahren ausgelaufen und wurde in der Folge an einen anderen Kanal vergeben. RCTV wurde auch nicht geschlossen, sondern kann über Kabel und Satellit weiter ausstrahlen.

Immer wieder wurde behauptet, diese Entscheidung beruhe darauf, dass der Sender Hugo Chávez kritisiert hätte und sich weigere seine Reden auszustrahlen. Leider wird dabei unter den Teppich gekehrt, dass RCTV im Jahre 2002 offensichtlich auf hinterlistige Weise TV-Nachrichtenbilder gefälscht hatte und seit Jahren immer wieder zum gewalttätigen Putsch gegen die demokratisch gewählte Regierung aufgerufen hat. Die Beispiele mit RTL, die Frau Slomka in ihrer Anmoderation vom 03. August 2007 wählt, sind insofern absolut irreführend und stimmen so nicht!

Außerdem wurde die Lizenz des TV-Senders „Venevisión“, der mindestens ebenso kritisch über die Regierung Chávez berichtete, kürzlich verlängert. Wie passt das in Slomka`s Sicht der Beschneidung von Meinungs- & Pressefreiheit?

In anderen Staaten – auch in Deutschland – hätte ein solches Auftreten eines Fernsehsenders sicherlich heftigere Konsequenzen nach sich gezogen. RCTV hat jedoch weiterhin alle Möglichkeiten sein Programm auszustrahlen, ausgenommen über Antenne. Frau Slomka sagte, dass „kaum“ einer in Venezuela Kabel und Satellit empfangen würde. Im darauf folgenden Beitrag von Carsten Thurau spricht dieser allerdings davon, dass die Einschaltquoten des populärsten Senders um 50% zurückgegangen seien. Wie können denn 50% der Zuschauer des meistgesehenen Programms als „kaum“ bezeichnet werden?

Auch den Versuch eines Imagetransfers von Chávez auf die Linkspartei in Deutschland sehe ich als äußerst kritisch an. Frau Slomka versucht zuerst einen Hugo Chávez als „Despoten“ zu zeichnen, um dessen Eigenschaften dann auf eine deutsche Partei zu übertragen, die im nachfolgenden Beitrag keine Rolle spielt.

Ausführliche Erläuterungen, sowie eine Dokumentation zu den zwei von mir kritisierten Beiträgen von Frau Slomka finden Sie unter folgenden Links:

* „Medien-Manipulation?! Marietta Slomka vs. Chávez – Eine heute-journal-Moderatorin und ihr Kampf gegen Links“

* „Medien zwischen Macht & Manipulation: Hugo Chávez vs. RCTV – Venezuela & die westliche Presselandschaft“

Ich möchte betonen, dass ich es als Pflichten eines Journalisten ansehe, Sachverhalte objektiv und kritisch darzustellen. Die enorm wichtige Funktion, die Medienmacher und Journalisten als Mittler zwischen Politik und Gesellschaft einnehmen, darf nicht zum Manipulationsinstrument durch Medien missbraucht werden. Insbesondere den Massenmedien kommt eine enorm wichtige Stellung in unserem demokratischen System zu, das einen enormen Einfluss auf die Bildung der öffentlichen Meinung ausübt.

Gerade von einem öffentlich-rechtlichen Sender wie dem ZDF, das durch den Einzug von Gebühren von der Bevölkerung direkt finanziert wird, erwarte ich, dass man diesen Aufgaben und Pflichten nachkommt und keine einseitige Berichterstattung ausstrahlt, die die Tatsachen auch noch verzerrt wiedergibt!

Ich möchte Sie nun darum bitten, mir in einer Antwort auf diese E-Mail Stellung zu den angesprochenen Dingen zu nehem. Gerne würde ich erfahren, wie die heute-journal-Redaktion über die von mir kritisierten Anmoderationen von Marietta Slomka denkt.

Interessieren würde mich, ob Frau Slomka mit der Form der Anmoderationen die Meinung der Redaktion des heute-journal vertritt, oder ob es sich um ihre subjektive Meinung handelt. Sind die Texte redaktionell erarbeitet worden oder handelte Frau Slomka eigenmächtig?

Ich hoffe und erwarte eine gesprächsbereite Redaktion, die offen und ehrlich Stellung bezieht und einen Dialog mit mir sucht. Ich kann ihnen sagen, dass meine veröffentlichten Artikel zum Thema (dir Links dazu sehen Sie oben) auf reges Interesse gestoßen sind und meine LeserInnen auf eine Stellungnahme Ihrerseits ebenso gespannt sind, wie ich.

Ich wäre Ihnen wirklich sehr dankbar, wenn Sie den Mut finden und sich zu meinen Vorwürfen äußern würden. Sollte ich mit meinen Einschätzungen falsch liegen, lasse ich mich von Ihnen auch gerne eines Besseren belehren! Auch würde ich mir das Recht vorbehalten, eine etwaige Stellungnahme bei mir im Blog unter http://www.bluejax.net zu veröffentlichen.

Ausdrücklich betonen möchte ich an dieser Stelle, dass es mir nicht um politische Inhalte geht. Meine politische Einstellung ist nicht Grundlage meiner Kritik und spielt hierfür keine Rolle. Mir geht es explizit um die Darstellung eines politischen Themas in einem Massenmedium und meinen Eindruck, dass Tatsachen verzerrt wiedergegeben und Rezipienten bewusst negativ beeinflusst wurden!

Ich hoffe auf Ihr Verständnis und würde mich sehr über eine Rückmeldung von Ihnen freuen. Vielen Dank!

Mit freundlichen Grüßen aus Ilmenau,
Jan Rechlitz

+++ Ende +++

Der Offene Brief wurde am 06. August 2007 um 15.01 Uhr per E-Mail abgesendet!

(bluejax)

3 Kommentare »

  1. Puh, diese M.Press-Kommunistenpresse wird täglich unerträglicher. Mensch, das könnt ihr doch besser!

    Kommentar von Sven — 9. August 2007 @ 01:49

  2. Hallo Sven,

    mich würde wirklich sehr freuen, wo Du hier kommunistische Ansätze siehst. Solltest Du auf die Politik von Hugo Chávez anspielen, dann möchte ich Dich darauf hinweisen, dass diese hier nicht Gegenteil der Kritik ist. Mit „Kommunistenpresse“ hat das reichlich wenig zu tun. Eher im Gegenteil, eine kritische Hinterfragung gehört zu den Grundlagen eines demokratischen Systems!!!

    Um mir als Rezipient aber überhaupt eine eigene Meinung bilden zu können, muss ich erstmal die Möglichkeit haben, ein umfassendes und objektives Bild eines Sachverhaltes/Ereignisses bilden zu können. Und dies kann ich kaum machen, wenn mir ein allumfassendes Gesamtbild aus objektiver Sicht von den Medien von vornherein vorenthalten wird. Verstärkt wird dies, wenn mir nicht nur eine Sichtweise sondern gleichzeitig auch noch eine (emotionalisierte) Beurteilung angetragen wird, die ich als „normaler“ Rezipient oftmals nur schwer falsifizieren kann.

    Ich betone nochmals, dass der Gegenstand meines Briefes nicht meine politische Einstellung ist, sondern eine Bewertung, wie mit Nachrichten umgegangen wird und diese an den Rezipienten herangetragen werden. Außerdem versuche ich einen Blick auf die lateinamerikanische Medienlandschaft zu werfen du bemerke, dass es abweichende Bewertungen derselben gibt.

    Dir sollte durchaus bewusst sein, dass ein Sender wie RCTV, der in den vergangenen Jahren nachweislich bewusst gefälschte Nachrichten/Dokumentationen ausgestrahlt hat (Deutschlandfunk spricht auch schon mal von „auf übelste gefälscht“) und zum gewalttätigen Putsch gegen eine demokratisch gewählte Regierung (unabhängig von der Bewertung der Regierungsarbeit, internationale Wahlbeobachter haben dies bestätigt) aufgerufen hat, auch gegen Deutsches Recht verstoßen würde. Dieser Umstand wird aber in den hiesigen Medien nicht kommuniziert, es ist lediglich von einem „regierungskritischen“ Sender die Rede. Auch die Hintergründe der venezolanischen Medienlandschaft, deren Eigenheiten und Besonderheiten bleiben außen vor.

    Dies alles ist aber meiner Meinung nach wichtig, um sich als Rezipient ein eigenes umfassendes Bild der Ereignisse machen zu können und diese zu bewerten.

    Außerdem kritisiere ich, dass Images aufgebaut werden, die auf unzureichender Informierung beruhen (was eine verzerrte Wahrnehmung zur Folge hat) und damit versucht eine Imagetransferierung auf andere Institutionen zu vollziehen. Das halte ich für eine kritikwürdige Vorgehensweise!

    Ich würde mich nun sehr darüber freuen, wenn Du mir und allen anderen erläuterst wieso Du nun von „Kommunistenpresse“ sprichst! Ich bin sehr darauf gespannt, worauf sich Deine Anschuldigungen stützen!

    Kommentar von bluejax — 9. August 2007 @ 13:22

  3. […] 06. August 2007 habe ich einen Offenen Brief an die ZDF-heute-Redaktion verfasst und veröffentlicht, den ich zum einen an die betreffende Redaktion, aber auch an diverse […]

    Pingback von M.Press - Magazin der Medien » Reaktion: Carsten Thurau beantwortet „Offenen Brief“ an die ZDF-heute-Journal-Redaktion! — 23. September 2007 @ 16:08

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