Der ein oder andere wird es mitbekommen haben. Das Urteil des BVG zur Einmischung der Politik in die Erhebung der Rundfunkgebühren. Nicht nur ein Urteil, sondern der Startschuss einer Kampagne der Medien gegen die Medien - konkret heißt das Privat gegen Öffentlich-Rechtlicht (ÖR). Der Streit ist nicht neu, aber er findet momentan wieder einmal ein wenig Beachtung in der Öffentlichkeit.
Worum geht es? Kurz gesagt, Privat heult rum, dass ARD und ZDF den Wettbewerb verzerren, da sie nicht zwingend auf Werbeeinnahmen angewiesen sind. Erschwerend kommt der Vorwurf der Verschwendung der Rundfunkgebühren hinzu. Man wage sich in Bereiche, die nicht zur gesetzlichen Aufgabe gehörten. Gesetzliche Aufgabe? Korrekt! Wir erinnern uns. Um die demokratischen Züge unserer Gesellschaft zu schützen, wurde die Freiheit der Meinung und Presse in das Grundrecht aufgenommen. Die (finanzielle) Unabhängigkeit spielt dabei eine große Rolle, um nicht dem Verdacht der Beeinflussung zu unterliegen. Kurz nach dem Aussterben der Dinosaurier hat das auch super funktioniert, doch dann wurden die Privatsender in Deutschland zugelassen. Die damalige Rechtfertigung berief sich in etwa darauf, dass die ÖR ihren Aufgaben genügend gerecht werden und die Privaten eine Ergänzung darstellen sollen. Die Aufgaben des Rundfunks sind dem gemeinen Medienstudenten natürlich bekannt. Bildung der öffentlichen Meinung, Information, Kultur und Unterhaltung. Meinungsbildung? Barbara Salesch? Taff? Kultur = Popstars? Letzteres schon eher. SAT1 streicht die Nachrichten aus dem Tagesprogramm und RTL2 kurbelt die japanische Spielzeugindustrie durch moderne Comicserien an. Findet sich hier ein gesetzlicher Auftrag wieder? Ist es das, was uns von der Medienlandschaft USA unterscheidet? Wohl kaum! Haben diese privaten Sender nun das Recht rumzumeckern?!?
Vielleicht! Laut RTL bestehen Einsparungspotenziale bei den ÖR. Berechtigt! Man könnte sicher die Rundfunkgebühren niedriger halten, wenn man in Zeiten von teurem Benzin etwa 20 Ü-Wagen weniger zu einer Parteitagung schicken würde. Wenn man sein (wirklich sehenswertes) Onlineangebot nicht so aufblähen würde und man vielleicht die eigene Verwaltungsstruktur neu überdenkt.
Kritikpunkte gibt es viele. Und die Zahlen sprechen für sich. ARD und ZDF erreichen kaum noch junges Publikum. Kommt der Marienhof nicht mehr an? Oder ist GZSZ einfacher im Gehirn zu verdauen? Mein Sarkasmus bleibt an dieser Stelle unterschwellig. Es gibt auf beiden Seiten ein reichhaltiges Angebot. Sogar vermeidliche Gülle gibt es auf beiden Seiten. Geschmäcker sind nun mal verschieden und auch der geistige Anspruch an ein Programm. Ist das jetzt die Schuld der ARD, wenn sie kein junges Publikum erreichen kann, oder viel eher ein Spiegel unserer Gesellschaft?!
Gute Formate bieten die ÖR reichlich. Für den Tierliebhaber laufen jeden Tag mindestens 2 Zoodokus. Der Technikfan kommt bei „Nano“ auf seine Kosten. Der Lifestyle-Zuschauer kann sich den Explosiv-Clon „Brisant“ reinziehen. Und der aufmerksame Medienstudent kann sich im Medienmagazin „Zapp“ informieren. Jaja, jetzt kommt der Einwand, dass man ja abschalten möchte nach der Arbeit - „Wunderwelten“ auf Arte!
Ich mag die Spielfilmauswahl der Privaten und ich mag die Simpsons. Aber lasst uns nicht vergessen, dass der Fernseher kein Alleinunterhalter oder gar Babysitter ist. Es ist wie mit Mensaessen. Man kann es essen, aber nicht davon Leben.
Jeder ist zu guter Letzt selbst Herr über seine Fernbedienung!
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(ChL)