
Der Medienunternehmer Leo Kirch sorgte diese Tage wieder für Schlagzeilen.
„Totgesagte leben länger.“ dieses Sprichwort trifft anscheinend auch auf die Mediengeschäftswelt zu, auf deren Bühne sich Kirch vor fünf Jahren mit der größten Wirtschaftspleite der Nachkriegsgeschichte verabschiedet hatte.
Nach dem Zusammenbruch seines Medienimperiums KirchMedia, ein Unternehmen mit mit unzähligen Tochterunternehmen und Beteiligungen, meldet Kirch sich mit einem Coup zur Übertragung der Fussball-Bundesliga zurück.
Inhalt des Deals ist die Vermarktung der Medienrechte für die Fussballübertragung von 2009 bis 2015, wofür Kirch drei Milliarden Euro garantiert. Zudem plane die DFL (Deutsche-Fussball-Liga) und Kirch neben selbstproduzierten Live - Berichte für Pay-TV-Sender, einen eigenen Fernsehkanal. Für die Zuschauer bedeutet das in Zukunft auf Bilder von Spielübertragungen in der ARD-Sportschau verzichten zu müssen.
Die Rückkehr Kirchs in die Medienlandschaft wirft jedoch einige Fragen auf.
Die Fussballvereine und die Commerzbank, Gläubiger von Damals, lassen sich wieder auf ihn ein und legen die Zukunft der Spielübertragung in seine Hände.
Seit der Millionenpleite scheinen die Fussballvereine nichts gelernt zu haben.
820 Millionen Euro hatte Kirch der Bundesliga zugesichert. Mit dem Untergang von KirchMedia stand die Zahlungsunfähigkeit fest, womit den Vereinen für die zwei nachfolgenden Saison nur ein Budget von 600 Millionen Euro TV-Einnahmen zur Verfügung stand.
Kleinere Fussballclubs der Profiliga, wie zum Beispiel der SSV Reutlingen standen, angesichts aufgeblähter Spielergehälter und wegfallender Werbeeinnahmen am Rande des Ruins.
Die Vergangenheit scheint vergessen und Berührungsängste gab es bei der DFL–Spitze nicht: “Die Vergangenheit hat keine entscheidende Rolle gespielt” heißt es aus der Führungsriege.
Die DFL musste damals auf viel Geld verzichten und wird sich diesmal mit einer Bankbürgschaft absichern. Kirchs Gläubiger, die Commerzbank hofft, ihr verlorenes Geld mit dem Erfolg des neuen Geschäfts zurückzuholen.
Was die Rolle von Premiere betrifft, wird sich nicht viel ändern:
Der Pay-TV-Sender strahlt weiterhin die Bundesliga aus und geht Hand in Hand mit den Vereinen, da die Liga auf das Geld und Premiere auf die Exklusivität angewiesen ist. Damals lagen die Übertragungsrechte bei dem Bezahlsender, dem Kirch gehörte.
Man munkelt, dass Kirch sich derzeit die gesunkenen Premiereaktien kauft, um sich zurückzuholen, was er damals verloren hat.
Vom kleinen Filmhändler bis hin zum großen Medienunternehmer mit den besten Beziehungen in der Medienwelt – so sieht der Aufstieg Kirchs aus.
Sein Unternehmen umfasste Pro7, Sat1, DSF und Premiere, das jedoch nach dem Zusammenfall des Imperiums zerschlagen wurde.
Bereits in den 90ern wurde der Kirch-Gruppe Finanzschwierigkeiten nachgesagt, da hinsichtlich des Pay-TVs eine marktliche Fehleinschätzung getroffen wurde.
Seine Filmvorräte vermarktete Kirch gleich in mehreren Sendern im Free-TV, gleichzeitig aber auch auf Premiere, was zu einem Rückgang der Absatzzahlen führte.
7 Milliarden Euro Schulden hatten sich bis 2002 angehäuft auf denen Kirchs Gläubiger sitzen blieben. Kirch hingegen hatte sein privates Vermögen in Immobilien gerettet.
Weiterhin kann man gespannt sein, was der Medienmogul und Fussballfan Neues in der münchener Kardinal-Faulhaber-Straße 15 entwickelt, wo er seit seinen Anfängen die Sirius GmbH führt.
Charlotte Mannheim
