
Verwackelte Strichmännchen, die ein bisschen so wirken, als könnte ihr Zeichner sie nicht leiden; 4-farbige Pixelbilder; aufwendig gestaltete Strips, die Animationen und picture in picture Funktionen enthalten. Von Witzen, die auf einem Bild basieren bis hin zu fortlaufenden Geschichten, die Fülle an derzeit angebotenen Onlinecomics und die enorme Vielfalt bezüglich ihres Inhalts und ihrer Gestaltung scheinen unendlich. In diesen Belangen stehen sie ihren gedruckten Pendants in nichts nach.

Foto: Stefan Fischer
Was vor einigen Jahren als reine Subkultur begann, in der Comiczeichner ihrer Fantasie freien Lauf lassen konnten, hat längst den Weg zu einem breitem Interesse und kommerziellen Strukturen gefunden.
Wie bei vielen Webangeboten die im Laufe der letzten Jahre aufkamen, kann auch in diesem Fall nicht eindeutig bestimmt werden, wer zuerst damit angefangen hat.
Ein erstes Aufkommen von, auf Nullen und Einsen basierender Comics liegt wohl in den frühen Neunzigern. Als Beispiel wäre hier „Doctor Fun“ zu nennen, der 1993 im Internet publiziert wurde, oder aber „Argon Zark!“, der zwar erst 1995 im Netz zu finden war, dafür bis heute existiert und sich einer breiten Fangemeinde erfreut.
Ende der Neunziger Jahre hatte das Internet seinen entgültigen Siegeszug angetreten und auch in die letzten Kinderzimmer Einzug gehalten. Mit der steigenden Anzahl der Internetbenutzen schoss auch das Webcomic-Angebot in den Himmel.
Die große Mehrzahl der Künstler die sich auf dem Terrain der Internet-Comics betätigen betreibt dies als Hobby und die meisten sind nach wie vor auf einen normalen Job ! angewiesen um sich ihr Leben zu finanzieren.
Doch es geht auch anders: James Kochalka hat mit seinem Onlinecomic „American elf“, der im Jahre 2004 startete den Sprung vom Hobby zum gewinnträchtigen Onlineangebot geschafft. Durch eine Gebühr von 1.95$ pro Monat hat der bezahlende Rezipient uneingeschränkten Zugang zu Kochhalkas Archiv, dass bis 2002 zurückreicht.
Andere versuchen sich durch Spenden, Merchandising oder Werbeanzeigen über Wasser zu halten. Oder schlicht, indem man das Onlineprodukt einfach wieder in seine Kinderschuhe steckt und gedruckte Versionen des einst digitalen Gutes für bares Geld verkauft. Dies geschah zum Beispiel mit „sluggy freelance“ , einem Webcomic von Pete Abrams, der seit 1997 existiert und täglich mehr als 100.000 Leser hat.
Bei allen Erfolgsgeschichten, die es rund um die Webcomics zu verzeichnen gibt, muss sich der Liebhaber des gedruckten Bildes keine Sorgen um seine Helden machen… denn Onlinecomics können keine Sammelleidenschaft befriedigen und eine Wertsteigerung, wie sie echte Comics oftmals erfahren, ist bei den digitalen Bilgeschichten eher unwahrscheinlich.
Stefan Fischer