
Nimmst du nicht auch gern am Leben deiner Mitmenschen teil? Und teilst du dich selbst gerne mit? Weltweit? Im Zeitalter der neuen Medien ist dies schon längst keine Wunschdenken mehr.
YouTube.com machts möglich: „Broadcast yourself“.

Foto: Juliane Reichert, Julia Schmitt
YouTube ist ein Videoportal, welches 2005 von drei US-Amerikanern ins Leben gerufen wurde. Jeder kann, insofern er über eine Webcam und einen Internetzugang verfügt, Film- und Fernsehausschnitte, Musikvideos aber vor allem auch selbstgedrehte Privataufnahmen veröffentlichen. Täglich werden etwa 65.000 neue Videos hochgeladen und 100 Millionen Clips angeschaut. So gesehen ist es jedem möglich, sich selbst und sein Leben in der Öffentlichkeit zu präsentieren. Daraus kann sich eine Popularität entwickeln, die über die Grenzen des Internets hinausgeht.
Beispielhaft hierfür wäre Tokio Hotel Anhängerin „Angie“ zu nennen, die ihre Fanliebe bei YouTube zum Ausdruck brachte und von dem Comedian Stefan Raab in seiner Fernsehsendung aufgegriffen wurde.
Es gibt auch andere Formen der Selbstdarstellung, wie es uns ein Mädchen aus Amerika verdeutlichte. Auf der Plattform YouTube veröffentlichte sie unter dem Pseudonym „Lonelygirl15“ ihre bewegende Schicksalsgeschichte in Form eines Internettagebuches und regte damit die Gemüter vieler User an. Aus einem scheinbar harmlosen Mitteilungsdrang eines jungen einsamen Mädchens entwickelte sich innerhalb kürzester Zeit eine Eigendynamik, welche die Öffentlichkeit stark tangierte. Mittlerweile verfolgten über eine halbe Million „Fans“ über das Internetportal die Entwicklungen in ihrem Leben, das stark von ihren konservativen Eltern geprägt ist. Doch schon bald kamen erste Fragen über die Authenzität der Inhalte ihrer Botschaften auf. „Wahrheit oder Illusion?“ war eine zentrale Frage, die die Medien lange Zeit vor ein Rätsel stellte. Diese Skepsis ging so weit, dass man hinter „Lonelygirl15“ ein ausgeklügeltes Marketing-Konzept vermutete, was sich bestätigte. Die Sache flog auf. Hinter dem Pseudonym „Lonelygirl15“ steckte in Wahrheit die neuseeländische Schauspielerin Jessica Lee Rose. Dennoch ging das Konzept auf: das Interesse an ihrer Person und ihrem fiktiven Leben ist nach wie vor ungebremst.
Neugierde kennt keine Grenzen!
Dieses Szenario wirft eine brisante Problematik auf. Da es prinzipiell jedem möglich ist, beliebige Inhalte im Internet auf verschiedensten Websites zu veröffentlichen und jede denkbare Identität anzunehmen, sind die Grenzen zwischen Realität und Fiktion oftmals fließend. Nicht selten werden Inhalte und gegebene Informationen von Internet-Nutzern dürftig hinterfragt. Und ebenso wie andere Online-Dienste mit Social-Networking-Charakter wird YouTube darüber hinaus auch als Plattform für politische sowie religiöse Statements genutzt. Spätestens wenn versucht wird mit derartigen Inhalten Menschen negativ zu manipulieren, kann Interesse an anderen Personen zu einer Art Fanatismus ausarten und somit kann der „YouTube-Voyeurismus“ im weitesten Sinne zur Gefahr werden.
Juliane Reichert, Julia Schmitt
Cooler Beitrag.
Kommentar von admin — 22. November 2007 @ 20:18