Es ist offiziell. Es ist tragisch, schmerzhaft und dumm. Und doch: Es ist unvermeidlich. Das Ende des studentischen Engagements ist gekommen. Nicht gleich natürlich, denn noch sind ja ein paar der alten Garde da - ein paar jener selbstlosen Giganten, die FeM, sPi, KuKo, Inzide, Stura, ISWI, Club e.V. und wie sie alle heißen am Leben halten. Doch nach ihnen - Leere. Eine gähenende Wüste. Machen wir uns nichts vor.
Das Ende ist nah.
Wieder mal.
Es gibt dutzende Möglichkeiten für Ilmenauer Studenten, ihre Freizeit mehr oder minder produktiv zu investieren. Die Palette reicht von wohlbekannten Institutionen wie iStuff und den Clubs über Veranstaltungsorgas wie Bergfest- und Erstiwochenplanung bis hin zu Interessenvereinigungen wie FuLM oder Stura. So unterschiedlich all diese Dach-, Projekt-, Hobby- und Lobbygruppen auch sein mögen, sie alle verbindet ein chronischer Mangel an neuen Mitgliedern. Die M.Press ist da keine Ausnahme: Wer uns regelmäßig liest, wird schon bemerkt haben, wie dünn unsere Redakteursdecke ist.
Die Ursache für dieses Unbill ist schnell ausgemacht und nicht unbedingt überraschend: Die Studienreformen mit ihren verschult-überfrachteten Stundenplänen, dem Zwang zum zügigen Durchstudieren und den drohenden Studiengebühren sind es, die in den Augen vieler Aktiven den Nachwuchs von den Studentenvereinen fern halten. Klingt irgendwo ja auch schlüssig; immerhin frisst selbst noch das kleinste Engagement ordentlich Zeit, und die ist für viele Bachelors ohnehin schon knapp. Klingt schlüssig - ist aber etwas kurz gegriffen.
Wenn Zeitmangel nämlich ein gutes Argument gegen studentische Aktivitäten wäre, würde die Hälfte der bestehenden Initiativen ohne Mitglieder da stehen. Nicht wenige Aktive schultern Studium, Job und gleich mehrere Vereine auf einmal. Gerade arbeitsintensive Aufgaben werden reihenweise von Leuten übernommen, die ohnehin schon genug zu tun hatten. Könnten Bachelor und Studiengebühren, deren sonstige negativen Auswirkungen ja nun weitgehend unstrittig sind, in diesem Fall also nicht mehr als bequeme Ausreden sein; Möglichkeiten, mit ruhigem Gewissen der eigenen Faulheit zu folgen?
Möglich, aber wozu? Niemand zwingt einen zum freiwilligen Frondienst. Keiner muss ernsthaft befürchten, schief angesehen zu werden, weil solche Nebensachen wie Freizeit, Ruhe oder die regelmäßige Reise nach Hause wichtiger für ihn sind.
Gab es sie eigentlich, diese fabelhafte bessere Zeit, zu der jeder Verein voll besetzt war? Kann es nicht sein, dass dieser Zustand des ‘Gerade Geht’s Noch’, des Hindurchimprovisierens trotz Mitglieder- und Ressourcenmangels, der ewige Standard ist? Wir, die wir aktiv mitmachen, sind zwischen zwei und fünf Jahren lang dabei. Unser Gedächtnis ist verdammt kurz. Können wir wirklich sicher sagen, dass sich etwas allgemein verschlechtert hat, oder spüren wir nicht nur, dass unserem eigenen ‘Baby’ gerade der Schuh drückt?
Klar, auch Letzteres ist tragisch. Es tut weh, an etwas mitgemacht, es vielleicht sogar aufgebaut zu haben, und dann kurze Monate vor dem eigenen Aufbruch in die weite Welt festzustellen, dass ganz offensichtlich niemand daran interessiert ist, die eigene Arbeit weiter zu tragen. Es tut wirklich weh. Aber niemandem von uns wurde jemals garantiert, dass der Schweiß, den wir investieren, wirklich Früchte tragen wird. Neben Teamwork und Selbstdisziplin und Verhandlungsgeschick und den hundert anderen Lektionen, die man, wie wir alle stolz bemerken, durch studentisches Engagement lernen kann, gehört auch diese Lehre dazu: Hin und wieder funktioniert etwas trotz aller Mühe einfach nicht. Das ist nicht neu. Während meiner drei kurzen Jahre hier habe ich mehrere große, beeindruckende, geliebte Initiativen sterben sehen - und habe mitbekommen, wie zwei andere vom Totenbett gerettet wurden.
Wenn neue Studenten an die Uni kommen und es sich heraus stellt, dass sie ihre Zeit in andere Dinge stecken wollen, als wir das taten, ist das bitter, aber wir müssen es akzeptieren. Und - vielleicht mit einer Priese Schadenfreude - daran denken, dass es in zwei, drei Jahren manche von ihnen sein werden, die Das Ende skandieren. Wieder mal.
(FlS)

Ich habe diesen Betrag mit Genuss gelesen, da er den Nagel auf den sprichwörtlichen Kopf trifft, und zwar so was von…
Ich glaube nicht, dass ein Diplomstudent aufgrund seines Studienganges an chronischer Unterforderung leidet und deshalb sein Heil im Engagement bei iSTUFF, FEM und Co sucht. Man kennt das ja!
Meiner Meinung liegt die fehlende Einsatzbereitschaft neben der Uni in gewisser Weise an der persönlichen Einstellung. Studiert man „fürs Leben“ oder für den Abschluss. Sage ich zu mir „ich mach das Ding schnell fertig“ oder „mal sehen, was es sonst noch so gibt“. Ersteres ist zielgerichtet und löblich, doch auch letzteres kann man durchaus vor seinem Finanzier (Eltern) verargumentieren. An sich ist ja dann der ach so tragische Entschluss zum Studienabbruch nicht so dramatisch, hat man sich bereits woanders ein Tür geöffnet oder aber auch nur für sich eine neue Perspektive entdeckt. Ja genau, Studieren heißt Wissen aneignen und Erfahrungen sammeln. Und diese müssen nicht immer zwangsläufig monetarisierbar sein. Auch wenn die Damen und Herren von Bolognia das gerne so hätten.
Kommentar von Ben.K — 10. Januar 2009 @ 12:43
Hi Ben,
danke für die Blumen! Ich kann Deinen Bemerkungen eigentlich nicht viel hinzufügen.
Was denke ich von vielen ‘zielorientierten’ Studenten vernachlässigt wird, ist die Gefahr des einspurigen Engagements. Klar, es kann ausreichen sich auf’s Studium zu konzentrieren, aber gerade in der Medienindustrie ist die Frage “Und was haben Sie sonst noch gemacht?” bekanntlich sehr üblich.
Andererseits will ich wirklich niemandem vorwerfen, doch lieber mal ein freies Wochenende haben zu wollen, was für mich oft mitschwingt, wenn engagierte Studis über ihre ‘freien’ Kommilitonen sprechen.
– Flo
Kommentar von Florian Schwarzer (FlS) — 11. Januar 2009 @ 16:32