29. Januar 2008

Sei aktiv und bleibe fit – macht Thüringen noch sportlich mit?

Abgelegt unter: AB Journalismus — M.Press @ 11:43

Von allen Seiten kann man den Ausspruch: „Sei aktiv und bleibe fit“ hören, doch die derzeitige gesundheitliche Situation in der Bundesrepublik Deutschland und im Bundesland Thüringen zeichnet ein ganz anderes Bild.

„Deutsche Kinder – fett, träge und sozial benachteiligt“ so urteilt das Internetmagazin Focus Online am 16. Mai 2007 über den körperlichen Zustand der Kinder und Jugendlichen in Deutschland. Dabei beruft sich Focus-Korrespondentin Ulrike Plewnia in ihrem Artikel auf den Kinder- und Jugendgesundheitssurvey (KiGGS) des Robert-Koch-Instituts von 2006.

Doch inwiefern lassen sich die Ergebnisse der KiGGS-Studie auf Thüringen beziehen und wie kann der gesundheitliche Zustand wieder verbessert werden?

Laut KiGGS treten bereits im Vorschul- und Schulalter zunehmend physische Erkrankungen bei Kindern und Jugendlichen auf. Auch Grundschullehrerin Sabine Bernsdorf kann dies bestätigen, weist aber die Schuld für diese Tatsache vehement von sich: „Für mich sind ganz klar die falschen Freizeitaktivitäten und der fehlende Kenntnisstand der Eltern zu gesunder Ernährung und gesunden Verhaltensweisen ausschlaggebend dafür, dass unsere Kinder und Jugendlichen immer dicker werden.“

Laut Sabine Bernsdorf bestehen innerhalb der Schule nur wenige Möglichkeiten, um Einfluss auf die körperliche Entwicklung der Schüler zu nehmen. „Da bleibt uns nur die Möglichkeit, mit Projekten an die Gesundheit der Kinder und damit auch an ihre Eltern zu appellieren.“

Ähnlich schildert die Situation der Vereinsvorsitzende des Sportvereins Aufbau Altenburg, Lutz Härtel. Und obwohl die Nachwuchsarbeit bei ihm an erster Stelle steht, begegnet der gelernte Diplom-Agrarpädagoge diesem Problem auch im Verein. „Man kann schon feststellen, dass Kindern, die neu in den Verein eintreten, die allgemeinen Voraussetzungen fehlen.“

Den Grund dafür sieht der 48-Jährige ebenfalls bei den Erziehungsberechtigten, da diese nicht in der Lage sind (oder vielleicht nicht einmal in der Lage seien wollen), ihre Kinder an die sportliche Betätigung heranzuführen. Diese Aufgabe überließen sie dann konsequent Lehrern und Übungsleitern. Doch im Gegensatz zu den Möglichkeiten, die die Schule den Kindern zur Verfügung stellt, kann Härtel auf ein Repertoire an Angeboten verweisen. So existiert zum Beispiel ein tägliches Angebot „KiGa-Sport“, bei dem Kindergartenkinder unter sportlicher Anleitung von ausgebildeten Trainern und Übungsleitern sich jeden Tag sportlich beschäftigen können. Außerdem werden Sichtungen in Schulen unternommen, von denen sich der Verein neue Mitglieder erhofft.

Dennoch muss Härtel die Bereitschaft eben dieser neuen Mitglieder, Sport zu treiben, damit fallen sie nicht in die Gruppe der körperlich Benachteiligten. An Möglichkeiten, fit zu bleiben und aktiv zu sein, mangelt es also im Landkreis Altenburger Land nicht.

Dennoch beweist die KiGGS-Studie, dass auch die jungen Thüringer unter 17 nicht frei von körperlichen Beschwerden, chronischen Krankheiten oder physischen Behinderungen sind. „Eine solche Entwicklung ist auch nicht zwingend regional bedingt“, meint Physiotherapeutin Uta Reusch, die seit 1990 in ihrer Gemeinschaftspraxis diese Entwicklung miterlebt. „Begründet werden kann dieser Zustand durch die mangelnde Bewegung der Kinder“, meint die Mutter von zwei erwachsenen Söhnen. „Da ist es keine Seltenheit, dass junge Menschen bei uns in Behandlung stehen. Denn Haltungs- und Gelenkschäden treten schneller auf, als Eltern und Betroffene denken.“ Mit Hilfe von Rückenschulkursen will die Gemeinschaftspraxis ihren Anteil an einer Verbesserung der Situation leisten, denn Stabilität in der Haltung der Heranwachsenden sei ein besonders wichtiger gesundheitlicher Faktor.

Für Frau Reusch ist das Problem einfach und schnell erklärt: „Es gibt einfach zwei Aspekte, die beachtet werden müssen: Einerseits ist eine gesunde Ernährung wichtig, auf der anderen Seite ist es die Bewegung, die eine große Rolle im Leben von Kindern und Jugendlichen spielen sollte. Dass dazu soziale Kontakte nicht fehlen dürfen, ergibt sich praktisch von selbst.“

Auch der Kreissportbund Altenburger Land und der Landessportbund Thüringen erkennen das Problem der zunehmenden „Verfettung“ der thüringischen Jugend. Aus diesem Grund versuchen sie, mit Richtlinien zur Förderung des Sports in den Landkreisen und Kooperationsmaßnahmen zwischen Kindertageseinrichtungen und Schulen bzw. Sportvereinen den „Kampf“ gegen die ungesund lebende thüringische Jugend anzugehen. Dabei sollen junge Sportlerinnen und Sportler im besonderen Maße gefördert werden.

Ob dies eine endgültige Lösung für das gesundheitliche Problem in Thüringen darstellt, bleibt jedoch abzuwarten. Möglicherweise berichtet dazu in einigen Jahren wieder das Robert-Koch-Institut und bis dahin bleibt wohl weiter jeder für sich selbst verantwortlich und alle bei der Aussage: Sei aktiv und bleibe fit!

Annekathrin Rudolph

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