Über 30 internationale Studenten – gefördert durch Austauschprogramme wie ERASMUS oder DAAD – kommen jedes Semester nach Ilmenau, um die deutsche Sprache zu lernen und Zusatzqualifikationen im Rahmen ihrer Ausbildung zu erwerben. Über Erlebnisse an der TU Ilmenau sowie über Eindrücke von Land und Leuten berichtet die rumänische Studentin Alina Măntescu (AM), die seit April 2007 am IfMK studiert.

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ElP: Alina, was hat dich veranlasst, das EU-Beitrittsland Rumänien zu verlassen und nach Deutschland für ein Semester zu kommen?
AM: Ich wusste schon seit meinem ersten Semester, dass ein solches Stipendium an meiner Heimatuni angeboten wird. Zudem hatte ich auch die Erfahrung meines Bruders, der ein ähnliches Stipendium an der Viadrina hatte. Ich habe alles abgewägt und da kein Nachteil bestand, habe ich es eben gemacht. Ich wollte mit den, wie in Rumänien oft gesagt wird, „hochqualifizierten Menschen” Deutschlands zusammenkommen. Darüber hinaus hatte ich auch die perfekte Herausforderung, nämlich die Sprache, die ich so gerne lernen wollte.
ElP: Wie ist es, am IfMK zu studieren, im Vergleich zu deiner Heimatuni?
AM: Hier lernt man mit größerem Engagement, während in Bukarest viele Stundenten gezwungen sind, gleichzeitig zu arbeiten. Anders gesagt, ich hätte in Rumänien nicht so viel Zeit in der Bibliothek verbracht, wie hier (lacht). Ich finde es super, dass man nicht so den großen gesellschaftlichen Drang hat, hier in den Beruf einzusteigen. Am IfMK bekomme ich viele Einblicke in verschiedene Bereiche; viele von diesen sind schon Vernetzungen zur Praxis. Man muss also keinen Halbtags-Job haben, um zu sehen wie eine Kamera funktioniert. Was hier für mich besonders ist: Powerpoint-Präsentionen. Am Anfang war ich beeindruckt, wie viel Mühe die Studenten in ihre Präsentationen stecken. Es heißt: professional multimedia! In Bukarest kommen selten PPTs in den Vorlesungen vor, im Gegensatz zu hier.
ElP: Nach deinem ersten Semester an der TU hast du dich entschieden, noch ein weiteres Semester hier zu verbringen. Was waren deine Beweggründe?
AM: Im ersten Semester habe ich zwar alles auf Englisch studiert (gemäß dem Angebot für internationale Studenten). Mein Wunsch war es aber von vornherein, Vorlesungen in deutscher Sprache zu besuchen, solange ich hier bin. So hat mir meine Mutter das Laufen beigebracht, indem sie einen Stuhl immer vor mir hergeschoben hat und ich zurechtkommen musste: Wie fasse ich ihn an? Jetzt mache ich für mich selbst das Gleiche. Ein Beweggrund ist immer, einen Schritt nach vorne zu machen.
ElP: An deiner Heimatuniversität in Bukarest hast du „Kommunikation und Öffentlichkeitsarbeit“ studiert – ein Studiengang, der mehr sozial gewichtet ist. Hier studierst du „Angewandte Medienwissenschaft“. War es schwer, sich an die neue Studienrichtung anzupassen?
AM: Eigentlich ergänzen sich diese beiden Studienrichtungen gegenseitig. Zu Hause in Bukarest geht es mehr in Richtung PR: Von der Philosophie der Kulturen bis hin zu den Pressemitteilungen. Und hier heißt es „ich mache etwas mit Medien“. PR spricht die Medien an. Man kann also sagen, dass ich auf der anderen Seite dieser wechselseitigen Beziehung angelangt bin. Es ist keine neue Studienrichtung, sondern eben eine Ergänzung. Man kann dem Studium sozusagen ein anderes Ende geben, als am Studienanfang gedacht. Das war der Vorteil von Erasmus und das ist auch der Vorteil vom dreijährigen Bachelor und dem zweijährigen Master.
ElP: Ich kann mir gut vorstellen, dass dein Lebensstil sich hier in Ilmenau verändert hat. Empfindest du diese Entwicklung als positiv oder eher als negativ?
AM: Mein Leben hat sich geändert, mein Stil nicht. Man passt sich an neue Situationen an. Man lernt, auf die neuen Anforderungen flexibel zu reagieren. Daher kenne ich zwei Modi: Rumänien-Modus und Deutschland-Modus. Das sind einfach zwei Zustände, die nicht verglichen werden können. Aber solange ich etwas dabei lerne, ist das positiv. Ach ja, dass ich viel Sport treibe ist noch eine Konstante. Hier bezahle ich dafür weniger. Es gibt leider keine Sporthalle an meiner Heimatuni.
ElP: Du bist in Bukarest geboren und aufgewachsen, in einer Metropole mit zwei Millionen Einwohnern, und damit in der sechstgrößten Stadt der Europäischen Union. Ilmenau hat etwa 75mal weniger Einwohner. Wie hat dieser Unterschied deinen Alltag beeinflusst?
AM: Rein mathematisch ergibt sich, dass ich mit einer kleineren Anzahl von Menschen in Kontakt trete (lacht). Ich habe jetzt mehr Zeit. Man rechnet hier beispielsweise nicht mit Verkehrsstaus. Ich habe auch mehr Ruhe, keine Eile oder Hektik. Bis auf die Stoßzeiten in der Mensa.
ElP: Was waren die größten Herausforderungen während deines Aufenthalts in Ilmenau?
AM: Da könnte ich eine ganze Liste aufführen. Die Ausländerbehörde und die Sprache waren die größten. Darüber hinaus war die Umstellung von unserer Währung (Lei) auf Euro nicht ganz einfach. Anfangs musste ich die Preise “übersetzen”, bis ich verstanden habe, dass dies nicht nötig ist. Man lebt in Deutschland nach deutschen Standards. Ich bin glücklich, da keine dieser Herausforderungen sich zu einem Problem entwickelt hat.
ElP: Gibt es etwas, woran du dich in Ilmenau nie gewöhnen könntest?
AM: An der Idee: 2 Minuten bis zum Club und 5 bis zum Audimax. Die finde ich immer noch lustig.
ElP: Es wird gesagt dass Deutschland ist ein „Land der Ideen”. Welche Idee hat dich hier am besten geprägt?
AM: Abgesehen von den innovativen Ideen an der Universität, wie z.B. Kinderuni oder Blockseminaren – stimme ich dem deutschen Perfektionismus zu, der sich mit dem Motto „Weiter, schneller, höher” zusammenfassen lässt.
(ElP)
Das klingt fast so als wenn hier alles Friede, Freude, Eierkuchen wär…
Hat sie wirklich nichts negatives gesagt oder habt ihr das zensiert?
Kommentar von Meckerossi — 21. April 2008 @ 22:31
Nein, es ist Alinas persönlicher Eindruck von Ilmenau. In diesem Beitrag ist definitiv nichts zensiert.
Vielleicht hätte man auch auch noch nach den negativen Seiten des Studierens in Ilmenau fragen können. Danke für den Hinweis.
Kommentar von DeB — 22. April 2008 @ 19:34
I don’t think the interview is censored at all. Alina, as I know is quiet honest and positive about her views. I think she did a wonderful Job
Kommentar von Ramesh — 15. Oktober 2008 @ 17:14
Thank you Ramesh!
Kommentar von DeB — 15. Oktober 2008 @ 20:30