22. April 2008

Interview mit Yoseph Bambang Wiratmojo, Indonesien

Abgelegt unter: M.Interview — ElP @ 10:33

Seit Oktober 2006 studiert Yoseph Bambang Wiratmojo (32 Jahre alt) an der TU Ilmenau, mit dem Zweck einen Masterabschluss im Rahmen des neuen Masterprogrammes „Medien- und Kommunikationsforschung“ zu bekommen. Die Gründe, weshalb er sich für eine Weiterbildung in Deutschland entschieden hat und sein Weg von der indonesischen Stadt Yogyakarta (Jogja) nach Ilmenau, erfahren wir von ihm selbst.

ElP: Joseph, du kommst aus einem Land, über das viele von uns nicht besonders viel wissen: Indonesien. Wie würdest du dein Heimatland in einem Satz beschreiben?
YBW: Indonesien liegt in Südostenasien, ein Archipelland, auf dem Äquator. Wir haben etwa 17.000 Inseln und multi-ethnische Einwohner; etwa 300 ethnische. Wir sprechen verschiedene Sprachen, haben aber auch eine Nationalsprache: Bahasa Indonesien. Es gibt eigentlich viele indonesische Studierende in Deutschland, die Meisten sind aber im Westen.

ElP: Und wie kam es dazu, dass du dein Studium in Deutschland weiterführst?
YBW: Ehhm.. dies ist eine lange Geschichte. Ich habe erst in Indonesien als Medien/Kommunikationsforscher gearbeitet; meine damalige Universität hat mit einem Professor aus dem IfMK (Institut für Medien- und Kommunikationswissenschaft; Anm. d. Red.) für mehrere internationale Projekte zusammengearbeitet. Neugierig wie ich bin, fragte ich den Professor, ob es die Möglichkeit gäbe, an seinem Institut weiterzustudieren. Der Professor sagte, ich könne mich an seinem Institut bewerben und mir ein Stipendium suchen. Der Prozess war nicht kurz: Erst bekam ich eine Stipendium von der DAAD (Deutscher Akademischer Austausch Dienst; Anm. d. Red.), dann erst kam ich hier her.

ElP: Welche Eindrücke hattest du als du zum ersten Mal auf dem Campus warst?
YW: Alles war für mich wunderbar, weil es eine neue Erfahrung für mich war, aber auch sehr angespannt, weil ich in eine neue, „fremde“ Umgebung kam. Es gab „cultural lag“, ich konnte mich aber sehr schnell anpassen.

ElP: Du hast schon einen Bachelorabschluss in Medienwissenschaft, den du in Indonesien bekommen hast. Hier studierst du „Medien- und Kommunikationsforschung“. Im Vergleich zu Deutschland, wie unterschiedlich ist das indonesische Bildungssystem und das Studium an deiner Heimatuni?
YBW: In dem indonesischen Hochschulsystem gibt es schon seit langem Bachelor- und Masterabschlüsse, wie in den USA. Der größte Unterschied liegt in der Unabhängigkeit des Bildungssystems. Das Studium in Indonesien hängt von vielen Faktoren ab, besonders von Politik. Jede neue Regierung bringt eine neue „Vernunft“ mit, die sich im Bildungssystem auch wiederspiegelt. Dies ist natürlich verwirrend für uns Studenten. In diesem Masterstudiengang am IfMK lerne ich viel, da die Gruppe von Masteranden klein und die Stimmung im Studium sehr intensiv ist. Außerdem sind die Universitätseinrichtungen auch gut.

ElP: Dieser Master-Studiengang ist bilingual, du besuchst also Lehrveranstaltungen auf zwei fremden Sprachen: Englisch und Deutsch. Hattest du Vorkenntnisse in Deutsch?
YBW: Deutsch zu lernen habe ich schon in Indonesien angefangen. Am Anfang habe ich nur etwa vier Stunden pro Woche gelernt. Als ich das DAAD Stipendium bekam, wurde ich nach Jakarta geschickt, um am Goethe Institut für sechs Monate Deutsch zu lernen, und weitere sechs Monaten am Goethe Institut in Dresden. Gegenwärtig habe ich im Alltag keine Probleme mit der Sprache, gleichwohl brauche ich noch etwas Zeit, um die wissenschaftliche deutsche Sprache zu beherrschen.

ElP: Du lebst jetzt in Ilmenau nicht allein, sondern mit deiner Frau und deiner vierjährigen Tochter. Wie hast du es geschafft, Familie und Studium in Einklang zu bringen?
YBW: Es stimmt, dass es nicht immer einfach ist, zum Glück bekomme ich aber die Unterstützung meiner Familie, die weiß (meine Frau besonders), dass ich studieren muss. Wir kamen nicht für Urlaub nach Deutschland, sondern zur Arbeit, und sie weiß das genau. Ebenfalls soll ich fühlen, wenn sie gelangweilt ist, und mit ihr etwas zusammen unternehmen: eine kurze Reise oder einfach spazieren gehen. Am wichtigsten ist, die Zeitoptimierung und dass wir uns gegenseitig verstehen.

ElP: Was waren bisher die größten Herausforderungen deines Aufenthaltes in Ilmenau?
YBW: Das Heimweh Gefühl zu überwinden ist die größte Herausforderung, da ich für 2,5 Jahre mein Heimatland zurückgelassen habe. Und eine zweite Herausforderung ist, Erfolg im Studium zu haben.

ElP: Was ist, deiner Meinung nach, das Wertvollste, das du in Deutschland gelernt hast?
YBW: Die örtliche Kultur zu verstehen und zu erleben finde ich sehr wichtig. Ein indonesischer Spruch sagt: “Egal wo wir stehen, dort müssen wir den Himmel abstützen“. Das bedeutet ungefähr, dass egal wo wir leben, dort müssen wir (als Fremde) uns an die Kultur anpassen.

ElP: Was sollten wir, deiner Meinung nach, über Indonesien unbedingt wissen?
YBW: Indonesien ist ein einzigartiges, schönes und freundliches Land. Wir laden euch herzlich ein zu kommen.

(ElP)

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