14. Juni 2008

10.000 Kilometer pannenfrei: Auf zwei Rädern bereist ein Ilmenauer Student die ganze Welt

Abgelegt unter: AB Journalismus — M.Press @ 13:16

Wenn er etwas über seine momentane Tätigkeit erzählt, fällt seine Antwort recht unspektakulär aus: Student der biomedizinischen Technik in Ilmenau. Erzählt Mathias Kranz jedoch über sein Hobby, stockt vielen Zuhörern der Atem: Mathias Kranz hat mit seinem Fahrrad weit mehr als 10.000 Kilometer quer durch Europa und Afrika zurückgelegt und entdeckte auf seiner abenteuerlichen Reise Orte auf der Welt, die kein Pauschaltourist zu sehen bekommt. Maik Wieczorek sprach mit dem begeisterten Extremradsportler.

Maik Wieczorek: Mathias, wann packte dich die Lust, größere Radtouren zu unternehmen, als sie ein Radfahrer gewöhnlich fährt?
Mathias Kranz: Als ich mein Abitur in der Tasche hatte, wollte ich den ganzen Stress der vergangenen Jahre abschütteln und meine Ruhe haben. Dabei wusste ich zunächst gar nicht, wie ich das machen sollte. Ich entschied mich dafür, mit meinem Fahrrad die Welt zu erkunden. Meine Freunde hielten mich für verrückt und meinten, dass ich spätestens an den Alpen wieder umkehren würde. Jetzt kann ich auf Touren durch Slowenien, Ungarn, dem Kosovo, Griechenland und Markokko zurückblicken, um nur einige zu nennen.

M.W.: Wohin hat dich dein erste längere Reise geführt und wie hast du sich darauf vorbereitet?
M.K.: Meine erste Tour war über 3.500 Kilometer lang und führte durch die südosteuropäischen Staaten wie Kroatien und Bosnien. Das Wichtigste für mich war schon damals, dass ich die Reise nicht vorher komplett geplant habe, denn gerade das macht auch heute noch für mich das Abenteuer aus. Ich setze mich einfach aufs Rad und fahre los. Das kann ich nur jedem empfehlen, der ähnliches machen möchte. Meine Vorbereitungen fallen natürlich dementsprechend dürftig aus. Ich packe die für die Region passende Kleidung ein und versorge mich mit dem Nötigsten wie Zelt und Benzinkocher, denn für gewöhnlich kaufe ich Lebensmittel in den Ortschaften ein.

M.W.: Greifest du häufig in die Werkzeugkiste, um Reparaturen durchzuführen?
M.K.: Nein, bis jetzt war das noch gar nicht nötig und ich hoffe, der Fall wird auch nicht so schnell eintreten. Echte Pannen passieren mir nur in Deutschland.

M.W.: Wie reagieren die Menschen auf einen Marathonradfahrer aus Deutschland?
M.K.: Da gibt es Licht- und Schattenseiten. Im Kosovo haben einige Menschen getanzt, als ich durch ihr Dörfer gefahren bin. Das ein oder andere Mal wurde ich auch schon zum Essen eingeladen. Das sind die besonders schönen Momente meiner Reisen. Zum anderen gibt es auch Länder, in denen ich beschimpft wurde. Bei meiner Tour durch Marokko liefen mir Kinder hinterher, die mich bespuckten und mit Steinen auf mich warfen. Gerade in solchen Region erkenne ich die Armut unter der Bevölkerung, wenn ich nach Geld oder anderen Sachen gefragt werde.

M.W.: Welche Strecken empfandest du als besonders herausfordernd?
M.K.: Sportlich war das eine 100 Kilometer lange Fahrt durch Albanien über unangenehmen Schotter. Mental sehr belastend war hingegen eine Etappe in Marokko, bei der ich 40 Kilometer allein durch ein Gewitter fahren musste. Unangenehm ist es auch, wenn man sein Nachtzelt nahe einem Mienenfeld im Balkan aufschlagen muss. Dazu kommt, dass ich einmal in den Lauf von zehn Gewähren blickte, als ich versehentlich einen bereits geschlossenen Grenzübergang nach Griechenland passieren wollte.

M.W.: Was denken deine Eltern, wenn sie sich für deine langen Reisen von dir verabschieden müssen?
M.K.: Meine Mutter hat sich daran gewöhnt, obwohl es am Anfang auch Tränen gab. Doch jetzt wissen meine Eltern, dass ich mit 21 Jahren alt genug bin und schon eine ganze Menge an Erfahrung gesammelt habe.

M.W.: Spielst du mit dem Gedanken, deine Abenteuer literarisch zu verarbeiten?
M.K.: Ja, sicherlich. Ich wurde schon von diversen Reisebuchverlagen angeschrieben, die möchten, dass ich ihnen ein Buch schreibe, welches die vielen Zeltplätze und Streckenprofile enthält. Aber das braucht noch seine Zeit.

M.W.: Wo wirst du den nächsten Sommer verbringen?
M.K.: Ich plane zur Zeit meine erste Tour nach Asien über die Türkei und Israel. Auch diesmal wird es wieder so sein, dass ich morgens nicht weiß, wo ich abends einschlafen werde. Aber auch diesmal werde ich mir meine Fahrzeit und Geschwindigkeit selbst einteilen. Doch wenn mein Visum für ein Land ablaufen sollte, dann fahre ich schon mal etwas schneller.

Mit Mathias Kranz sprach Maik Wieczorek

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