
Carola Scherf ist Pfarrerin im Entsendungsdienst. Die 29 Jährige koordiniert und organisiert seit Anfang dieses Jahres das Bachfest 2009 in der Westthüringischen Stadt Mühlhausen. Johann Sebastian Bach weilte dort von 1707 bis 1708 als Organist der Divi-Blasii-Kirche. Mit dem Bachfest, das nächstes Jahr in der Zeit vom 7. bis zum 16. August stattfindet, soll dem bekannten Komponisten gedacht werden. Mit der Organisatorin des Events, Carola Scherf, sprach Falk Henning.
Falk Henning: Fühlen Sie sich momentan eher als Unternehmerin und Managerin oder doch noch als Pfarrerin?
Carola Scherf: Pfarrerin ist meine Profession und meine Berufung, aber das, was ich jetzt mache, hat mit Geistlichen nur wenig zu tun. Von daher ist das schon eine Gratwanderung. Andererseits kann man das auch gut vereinen, weil in den Kirchengemeinden auch ganz viel Organisation gefragt ist.
F.H.: Sie kommen ursprünglich aus Oldenburg. Warum haben Sie sich gerade für die Stelle als Bachkoordinatorin in Mühlhausen entschieden?
C.S.: Ich habe mir die Stelle nicht ausgesucht, sondern wurde von der Kirchenprovinz Sachsen aus nach Mühlhausen entsandt. Dort entschied eine Kommission nach einem Vorstellungsgespräch mich nach Mühlhausen auf die Stelle als Bachkoordinatorin zu schicken. Deshalb nenne ich mich momentan Pfarrerin im Entsendungsdienst.
F.H.: Die Bachthematik wurde Ihnen also angetragen. Ihr Bezug dazu hat sich somit erst mit der Zeit entwickelt?
C.S.: Ich bin ganz froh über das Fachgebiet, weil Bach einer der Vertreter der protestantischen Kirchenmusik ist. Kirchenmusik ist ein ganz wesentliches Element unseres Glaubens und da freue ich mich nun etwas mehr in diesen Bereich eintauchen zu können. Musik ist auch Evangelienverkündung und wird immer etwas vernachlässigt. Das hier sehe ich als Chance, durch das Bachfest und durch die Musik den Zugang zu den Kirchen zu eröffnen. Besonders hier im Osten Deutschlands ist das schön dabei zu helfen, da viele Menschen keinen Zugang zur Kirche haben.
F.H.: Hören Sie nun im privaten Bereich auch Bach?
C.S.: Ja, anfangs habe ich mir viele CD’s geliehen, inzwischen gekauft. Kantaten wie „Gott ist mein König“, die in Mühlhausen entstanden sind, höre ich auch privat recht gerne. Da bin ich richtig Fan von geworden.
F.H.: Für das Bachfest sind 21 Konzerte in Mühlhausen geplant. Leiten Sie erstmals selbstständig ein solches Projekt?
C.S.: Ja, aber auch bei der Kirche geht der Trend zur Arbeit in Projekten um Kräfte zu bündeln. Allerdings ist das hier eine Größenordnung die seltener vorkommt.
F.H.: Haben Sie sich die nötigen wirtschaftsrelevanten Fähigkeiten selbst beigebracht?
C.S.: Zur Ausbildung von Pfarrerin gehört schon ein gewisser Verwaltungsgrundstock. Allerdings ist das sehr Kirchenspezifisch. Besonders durch mein Büro hier im kirchlichen Verwaltungsamt kann ich mir bei Fragen Hilfe im Haus holen. Dabei ist es aufgrund der Größe und der Internationalität des Events auch eine Bereicherung für den Kirchenkreis.
F.H.: Würden Sie später als Pfarrerin auch gerne solche Events organisieren?
C.S.: Auf jeden Fall ist das hilfreich. Man bekommt einen Blick für Organisation und da dies im Zuge von Projektarbeiten immer mehr gefordert wird, ist das etwas, was ich für mich nutzbar machen werde. Besonders auch der Kirchenmusik muss in Zukunft Raum gegeben werden.
F.H.: Was sind Ihre Ziele nach dem Entsendungsdienst 2010?
C.S.:Ich will auf jeden Fall wieder Gemeindepfarrerin sein. In der Kirchengemeinde möchte ich gern mit vielen unterschiedlichen Gruppen arbeiten, mit Kindern und Senioren. Dabei ist es nicht ausgeschlossen, dass ich in Thüringen bleibe.