17. Juni 2008

Die Spatzen fliegen doppelt

Abgelegt unter: AB Journalismus — M.Press @ 10:30

Das Deutsche Kinder-Medien-Festival: Kino-TV-Online „GOLDENER SPATZ“ fand zum 16. Mal statt. Das Interview mit Margret Albers, Festivalleiterin seit 1996, und Pressesprecherin Katja Imhof-Staßny führte Claudia Wagner.

Frage: Die Stiftung wurde 1993 auf Grundlage eines in der DDR gegründeten Festivals ins Leben gerufen. Was waren die Ursachen?
Antwort: Das war zuallererst das Nationale Festival der DDR für Kinderfilme in Kino und Fernsehen. In der DDR war eine ganz andere Struktur als heute vorhanden und diese wurde hauptsächlich vom Kultur- und dem Bildungsministerium finanziert. Nach der Wiedervereinigung existierte das kulturelle Netzwerk nicht mehr. Der GOLDENEN SPATZ hatte in der Bundesrepublik kein Pendant. Es gab im Westen kein vergleichbares Festival, welches sich auf nationale Produktionen konzentrierte. Außerdem waren viele Leute der Meinung, dass das Festival fortgesetzt werden sollte. Man bräuchte nur einen Träger dafür. Aus diesen Gründen hat sich die Stiftung entwickelt.

Frage: MDR, ZDF und RTL waren an der Gründung beteiligt. Wie kam es, dass Gera Träger der Stiftung geworden ist?
Antwort: Gera war schon vorher Spielstätte des Nationalen Festivals und hatte somit ein großes Interesse daran, dass dieses dort fortgesetzt wird. Immerhin wurde es 1979 in Gera gegründet. Man mochte das nicht einfach hergeben. So sagten wir uns als Stadt „Wir wollen unseren Beitrag leisten. Damit das weitergehen kann, werden wir Mitglied der Stiftung.“

Frage: 2003 kam dann Erfurt als Standort hinzu. Was war ausschlaggebend für dieser Entscheidung?
Antwort: Es ist so, dass wir als Festival, dass sich schwerpunktmäßig mit Kindermedien auseinandersetzt, den demografischen Wandel am schnellsten zu spüren bekommen. Gera ist eine Stadt, die sehr schnell schrumpft. Und zwar in einem Grad, das erschreckende Maße annimmt. Mit einer bestimmten Menge an Programmen brauchen wir ein gewisses Publikumspotential und wenn sich die Anzahl der Kinder im Alter von 3 bis 13 Jahren von Mitte der 80er Jahre bis Ende der 90er mehr als halbiert hat, ist das ein Alarmzeichen. Wenn wir hier in der Region nicht genügend Publikum haben, müssen wir uns etwas überlegen. Erfurt als zweiter Standort bietet sich in sofern an, dass hier der Kinderkanal sowie einige Produktionsfirmen sitzen. Wenn man sich schon die Mühe macht, ein großes Programm zu kreieren, warum das nicht in zwei Stätten präsentieren?

Frage: Mittlerweile wurden Veranstaltungen in beiden Städten angeboten. In Gera fanden Workshopangebote für Kinder statt, in Erfurt Fachtagungen. Warum diese Unterscheidung?
Antwort: Dadurch dass Gera und Erfurt beide Stifterstädte sind, lohnt sich eine Aufteilung. Jede Stadt hat ihren Schwerpunkt. Gera war schon immer auf Medienpädagogik ausgerichtet, vorallem weil dort der Offene Kanal Gera sowie die Video-Film-Tage sind. Unsere Festivalassistentin Frau Marina Stüwe, die das Büro in Gera leitet, ist zudem von Beruf her Medienpädagogin. Es zielt alles auf Pädagogik ab. In Erfurt sind widerum Produktionsfirmen angesiedelt, was vorwiegend Fachleute anzieht. Aufgrund dieser Einteilung können wir genauer planen und organisieren. Die Umstellung auf zwei Städte dauerte eine Weile, aber es hat sich ausgezahlt. Die Resonanz, die wir auf das Festival erhalten, hat sich vergrößert.

Das Interview wurde geführt von Claudia Wagner

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