
Nichts geht mehr ohne. Mit dem Web 2.0 wandelte sich das Internet vom passiven Recherchemedium zum interaktiven Alles-Könner. Auch an der Technischen Universität Ilmenau hat man längst die Möglichkeiten des „Mitmach-Webs“ für sich entdeckt. Mit der Einführung von E-Learning 2.0-Angeboten erhofft sich die Hochschule effizienteres Lehren und Lernen.
Marcel Kirchner, Promotionsstudent und einer der E-Learning-Verantwortlichen am Fachgebiet Kommunikationswissenschaft, spricht mit Linette Heimrich über die veränderten Lernmöglichkeiten.
Linette Heimrich: Was verbirgt sich hinter den Begriffen „E-Learning“ und „Social Software“?
Marcel Kirchner: Unter E-Learning versteht man elektronisch gestütztes Lernen mit digitalen Medien. Diese Art des Lernens kam bereits in den neunziger Jahren auf, als man zum Beispiel erste CD-Roms mit Lernanwendungen entwickelte. Heute setzt man stärker auf das Internet, um das Lernen zu unterstützen. Den Anfang machten Lernplattformen wie „Moodle“, die an manchen Hochschulen einen regelrechten Hype auslösten. Zu ihrem Nachteil waren diese Plattformen nur selten öffentlich. Das änderte sich mit der Entwicklung von „Social Software“, die es Lernenden ermöglicht, sich untereinander zu vernetzen und Wissen auszutauschen. Beispiele hierfür sind Blogs, Wikis oder Podcasts (selbst erstellt Audio- und Videoangebote).
L.H.: An der TU Ilmenau sind E-Learning-Angebote bereits seit einiger Zeit Bestandteil des Curriculums. Was verspricht man sich vom Einsatz dieser Technologien in der Hochschullehre?
M.K.: E-Learning 2.0 darf nicht als Spielerei verstanden werden. Der Anspruch des wissenschaftlichen Arbeitens steht auch hier im Vordergrund. Vielmehr stellt es eine effizientere Art des Lernens dar, da der Lernende stärker in den Lernprozess eingebunden wird. Durch den Vernetzungscharakter geht das Lernen über die Grenzen der Hochschule hinaus. Interessierte und potentielle Partner von außerhalb können durch Social Software den Lernprozess zusätzlich unterstützen und neue Perspektiven aufzeigen. So steigt auch die Motivation zum Lernen.
L.H.: Welche Erfahrungen hat man bisher mit dieser neuen Art zu lernen gemacht?
M.K.: Bisher gibt es nur wenige Studien, die sich mit dem Lernerfolg durch E-Learning befassen. Aber aus eigenen Auswertungen zum E-Learning 2.0-Einsatz wissen wir, dass die Anwendung von E-Learning 2.0-Werkzeugen sowohl von Studenten als auch von Lehrenden als Mehraufwand empfunden wird. Es hat sich aber auch herausgestellt, dass sich Lernende auf diese Weise schneller in eine neue Thematik einarbeiten.
L.H.: Neben den bisherigen Angeboten soll das E-Learning an der Hochschule noch stärker etabliert werden. Wie sehen die zukünftigen Pläne aus?
M.K.: Aktuell haben sich Vertreter der einzelnen Hochschulbereiche im Kompetenzzentrum für E-Learning Dienste (KeLD) zusammengeschlossen, um eine einheitliche E-Learning-Strategie für die gesamte Hochschule zu entwickeln. Ziel ist es, die TU Ilmenau als E-Learning-Zentrum bekanntzumachen und die eigenen Kompetenzen auf diesem Gebiet weiter auszubauen.
L.H.: Wird das E-Learning bald den Gang zur Vorlesung ersetzen?
M.K.: Nein, E-Learning-Angebote sind nur dann sinnvoll, wenn sie nicht alleine stehen, sondern in ein didaktisches Konzept eingebettet werden. Es ist wichtig, den Lernenden den richtigen Umgang mit E-Learning-Werkzeugen zu vermitteln und klar zu machen, welche Ziele damit verfolgt werden. E-Learning soll in erster Linie das traditionelle Lernen in Vorlesungen und Seminaren durch neue Möglichkeiten unterstützen.
Das Interview führte Linette Heimrich