11. Juli 2008

„Nur ein kleines Stück vom Kuchen übrig“: Tourismus in Ilmenau trotz Konzept rückläufig

Abgelegt unter: AB Journalismus — M.Press @ 16:47

Mit dem „Parteiprogramm der SED“ vergleicht Oberbürgermeister Gerd-Michael Seeber (CDU) das Tourismuskonzept der Stadt Ilmenau aus dem Jahr 2004. Für viel Wirbel sorgte die Konzeption damals. Heute, vier Jahre später, scheint dieser keine große Bedeutung mehr beigemessen zu werden. Und das, obwohl die Übernachtungszahlen in Ilmenau seit dem Jahr 2000 stetig zurück gehen und im Jahr 2006 sogar erstmals die 100.000 Grenze unterschritten wurde.

Als ein „mittleres Jahr“ bezeichnet Oberbürgermeister Seeber das Jahr 2007 in Bezug auf den Tourismus. Seit der Jahrtausendwende verzeichne Ilmenau zwar einen stetigen Rückgang in den Übernachtungszahlen, doch von dem Tief 2006 hätte sich die Stadt erholt. So blickt man optimistisch in die Zukunft: das Jahr 2008 ist noch jung und die Hoffnungen auf einen Aufschwung im Tourismus seien noch groß. Gründe für den Rückgang der Besucherzahlen in den vergangenen Jahren sieht Seeber in der negativen Entwicklung des Thüringer Waldes und gleichzeitig im Wachstum des Städtetourismus: „Die Städtekette entlang der A4 hat stark aufgerüstet und kulturell einfach mehr zu bieten als Ilmenau. Folglich bleibt natürlich vom Thüringer Tourismuskuchen für Ilmenau nur ein kleines Stück übrig“.

Auf der Suche nach einem konkreten Alleinstellungsmerkmal
Rolf Frielinghaus, Leiter der Touristen-Information Ilmenau, sieht jedoch auch genug Potenzial, um den Tourismus weiter voranzutreiben: „Ilmenau profitiert von der Waldnähe und den zahlreichen Möglichkeiten zum Wandern; bietet aber gleichzeitig auch einen städtischen Charakter durch die Technische Universität. Auch die topografische Lage spricht für Ilmenau. Durch die A71 ist man eng mit den Kulturstädten Thüringens verbunden“. Was der Goethestadt jedoch fehlen würde, sei ein konkretes Alleinstellungsmerkmal. Zu diesem Schluss sei man auch durch das Tourismuskonzept von 2004 gekommen, aber „mehr als eine Zusammenfassung des Ist-Zustandes und der Analyse von den Stärken und Schwächen der Stadt Ilmenau ist es nicht“, so Seeber. „Ein Konzept ist nur gut, wenn es auch Möglichkeiten für Veränderungen bietet.“ Es seien also nun konkrete Maßnahmen nötig, um die Stellung von Ilmenau bezüglich des Tourismus auszubauen. Eine bedeutende Maßnahme wurde Anfang des Jahres schon verwirklicht: Der Wanderweg „Von Bach zu Goethe“, welcher von Arnstadt nach Ilmenau verläuft, erhielt das Gütesiegel „Qualitätsweg Wanderbares Deutschland“. Eine Besonderheit ist, dass der Weg nahtlos an den ebenfalls zertifizierten Goethewanderweg in Ilmenau anschließt. Doch auch an Plänen für die nächsten Jahre mangelt es nicht. Derzeit befinden sich das Amtshaus und das darin ansässige Museum noch im Umbau. In diesem Jahr wird in das Gebäude auch die Touristen-Information einziehen. Des Weiteren ist für das Jagdhaus Gabelbach eine Veränderung vorgesehen. Eine Gaststätte soll mehr Besucher, vor allem Wanderer, in das eigentliche Museum locken. Über ein Projekt ist man sich jedoch im Stadtrat noch nicht einig - es würde aber nach Meinung des Oberbürgermeisters Ilmenau deutlich von anderen Städten hervorheben und somit für einen Aufschwung im Tourismus sorgen: Die Errichtung einer Seilbahn am Kickelhahn. Vor allem für ältere Besucher würde dies ein attraktives Angebot darstellen, so Seeber. „Ilmenau lebt von Pensionären, die die Ruhe und Natur in Ilmenau genießen und Erholung suchen, gleichzeitig aber aktiv sein wollen mit Wandern, Fahrrad fahren oder Nordic-Walking. Der Natur- und Wandertourismus spielt somit in der Goethestadt eine übergeordnete Rolle.“, erklärt Frielinghaus.

Zusammenarbeit zwischen Hotellerie, Gastronomie und Stadt notwendig
Doch Seeber räumt ein, dass die Idee einer Seilbahn durch „das Beharrungsvermögen einiger Institutionen“ behindert wird: „Der Tourismus ist ein dynamisches System. Man muss sich den Veränderungen anpassen, wenn man vorankommen will. Doch einige Maßnahmen werden immer wieder durch fadenscheinige Argumente konservativer Positionen gestoppt“. Und das, obwohl die Zusammenarbeit zwischen den am Tourismus beteiligten Akteuren laut Seeber eine tragende Rolle spielen würde. Auch im Jahr 2004 seien Gespräche zwischen Vertretern aus Hotellerie, Gastronomie, Vereinen, Behörden und der Stadt grundlegende Voraussetzung für die Erstellung eines Tourismuskonzeptes gewesen. Dies müsse auch in Zukunft fortgeführt werden, meint Dirk Grebe, Leiter des Romantik Berg- und Jagdhotels Gabelbach. Er sehe jedoch im Moment noch einige Schwierigkeiten in der Kooperationsbereitschaft der Stadt, vor allem in Bezug auf die Marketingaktivitäten. Die Stadt legt großen Wert auf Werbung. Zahlreiche Prospekte zum Thema Wandern, Übernachtung und Ausflugsziele in Ilmenau sowie Auftritte bei nationalen und internationalen Messen spielen dabei eine wichtige Rolle. Doch laut Grebe gäbe es noch Verbesserungsmöglichkeiten, um die Hotels und Pensionen der Stadt besser mit einzubeziehen. Von dem Tourismuskonzept aus dem Jahr 2004 hält der Hoteldirektor nicht viel. Bedeutender sei die Kommunikation zwischen den Gruppen, die am Tourismus beteiligt sind. Es scheint als wäre es höchste Zeit, diese mal wieder an einen Tisch zu setzten, um die verschiedenen Standpunkte und erarbeiteten Ideen von 2004 wieder aufleben zu lassen.

(Sabrina Bohn)

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